Dolce Italia
Italien aktuell

Italien zwischen Populismus, Rettungsschirmen  und Sardinen 


von Vincenzo  Delle Donne



Ein altes, neues Politmalheur in bella Italia.  Einen Spätsommer lang haben die Italiener politisch neuen Mut geschöpft, als die Regierung der Rechts- und Linkspopulisten am Größenwahn von Matteo Salvini zerbrach und prompt eine neue, für unmöglich gehaltene  Regierung aus 5Sterne-Bewegung und Partito Democratico das Licht der italienischen  Welt erblickte. Damals sackte der Spread, der Zinsunterschied zwischen den italienischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen auf 10 Jahre,  noch während der Regierungskrise überraschend auf ein Rekordtief von rund 160 Punkten. Plötzlich breitete sich Euphorie unter Wirtschaftskapitänen und Bankern aus.  


Aber die Hoffnung, es könnte sich etwas zum Besseren wenden, entpuppt sich  jetzt, im regenerfüllten Spätherbst, wieder einmal  als  ein Trugschluss. Angeheizt vom rechten Oberpopulisten Salvini aus den Oppositionsreihen, der nun  brav die Finten seines amerikanischen Flüsterers Steve Bannon in die Praxis umsetzt, droht die Regierung nun wieder zu zerbrechen. Diesmal an dem sogenannten Mes, dem europäischen Banken- Staatenrettungsschirm, der auf EU-Ebene reformiert werden soll und den schon die Vorgängerregierung unter den bekannten Populisten abgesegnet hatte.

 




Doch nun poltern Links- und Rechtspopulisten mit vereinten Kräften  dagegen an. Die Reform sieht nämlich  vor, dass, bevor die anderen Staaten helfend in die Bresche springen, zunächst die Vermögen der privaten Anleger bzw. der jeweiligen Staatsbürger angezapft werden.  Im Land, in dem es  eine immens hohe Staatsverschuldung und ein beachtliches  Privatvermögen  gibt, natürlich ein Schreckgespenst.  Die neue Regierung  droht nun,  gerade an diesem heiklen Punkt aufgrund des Widerstandes der Linkspopulisten um Luigi Di Maios 5Sterne-Bewegung  zu zerbrechen.  


Derweil tut sich eine neue, unabhängige Bewegung von jungen Leuten auf, die weder  Links- noch Rechtspopulisten  unterstützen: le sardine, die Sardinen. Sardienenschwarmähnlich  versammeln  sie  sich spontan in den Piazze des Landes  und protestieren  friedlich gegen den stumpfen Populismus und für die europäischen Werte von Freiheit und Solidarität: beispielsweise    in Bologna, Rom, Neapel, Palermo oder Padua. Allein in Mailand waren es in der Piazza Duomo 25.000.  Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Ende des politischen Tunnels auf dem Apennin, der vielleicht verhindert könnte, dass das Land  im politisch populistischen Sumpf versinkt und andere Staaten und Europa mit sich reist.